wasn so los hier?
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Vor ein paar Tagen spazierte ich mit Simone durch ihren Garten. Zwei Weinbergschnecken kreuzten unseren Weg. Wir bückten uns und sammelten die beiden ein. "Jaja", murmelte Simone, "Da seid ihr ja wieder." Meine hatte in einer sehr sauberen Handschrift auf ihrem Haus den Schriftzug "Humboldstrom" stehen, Simones Schnecke hieß auch irgendwie. "Ach", meinte ich, "Fehlt ein t." Wir brachten die Schnecken, während wir so dahinschlenderten,  zur anderen Grundstückseite: "Die wandern angeblich immer nach Süden", erklärte Simone. "Wieso bemalt deine Tochter eigentlich Schnecken?", fragte ichnach einer Weile mal so in den Raum. "Nöönöö, das macht unsere Nachbarin", antwortete Simone erstaunt, dass ich ihrer Tochter so ein Hobby unterstellte. Ach so naja, dachte ich, und grabbelte daheim erst mal einen schönen Stift heraus. Aber komisch, als ob alle Schnecken bei uns es geahnt hätten, bis auf ein Exemplar, das wohl nicht schnell genug war, waren sie alle verschwunden. Diese eine heißt jetzt "Jamaica". 

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14
Jun
Alter Kram

Neulich, als ich mal wieder mitten in der Nacht nicht schlafen konnte, zappte ich durch die TV-Kanäle und blieb an einer ollen schwarz-weißen Kamelle hängen. Normalerweise schalte ich da gleich weiter, aber der Film zog mich sozusagen sofort mit sich. Ich hatte den Anfang und wer weiß wieviel überhaupt verpasst, aber die Handlung an sich war das gar nicht, die nahm ich denn mal so im Vorbeigehen auf. Neenee, das große Ganze war gut: Die Hauptdarstellerin spielte klasse die durchgeknallte Diva und der Rest der Crew garnierte das Spiel ergänzend. Die Atmosphäre haute den unbedarften Zuschauer, also mich, aus den Puschen. Später googelte ich, und siehe da: Boulevard der Dämmerung (Sunset Boulevard) von Billy Wilder von 1950 mit Gloria Swanson und William Holden steht auf Platz 12 der besten amerikanischen Filme in irgend so einer Rankingliste. Qualität setzt sich durch.

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Ach ja, hat ein bisschen gedauert, aber jetzt kommt die „Fury in the Slaughterhouse“-Geschichte, die auf dem Ponyhof beginnt. Ich hielt es damals, es war wohl 1989, für eine tolle Idee, Kinder auf einem Ponyhof zu betreuen. Also, eigentlich wollte ich ja auch gern ein bisschen reiten. Der Hofbesitzer lockte mit dieser Möglichkeit: Jaja, klar, alles machbar (in den zwei Wochen kam ich ungefähr drei Mal auf ein Pony, aber das ist eine andere Geschichte). Die andere Schnegge, mit der ich gemeinsam zwölf Mädchen und sechzehn Ponys betreute, sorry, ich habe ihren Namen derweil vergessen, stand am liebsten schmökend in einem Winkel und lauschte ihrem Walkman. Ich wagte anzufragen, was denn so lief, und sie warf mir „Fury in the Slaughterhouse“ an den Kopf. Sozusagen (wir waren nicht bff). Nachdem ich mich vom Bandnamen erholt hatte, immerhin befanden wir uns auf einem Ponyhof, gestand ich meine Unkenntnis der Gruppe ein. Verächtliches Schnauben ihrerseits. Tja. Ich fragte dann nicht weiter. Wieder daheim, neugierig geworden, hörte ich da mal rein und was ich hörte, gefiel mir. Natürlich nicht so gut wie meine heißgeliebten 80er-Boygroups, New Romantics und der unvergessliche George Michael, aber war sehr okay. Und als „Fury“ im Jahr 1997 in Kiel, damals hieß das Ding da noch Ostseehalle, spielte, zerrte ich Herrn B. vom Sofa. Leider waren wir, wie immer, von chronischem Geldmangel umzingelt und meine Dollars reichten nicht, um mir ein Band- T-Shirt zu kaufen. Diese wurden da munter angeboten. Tjaja. Nix zu machen. Wir fanden uns nach dem Konzert im üblichen Stau und quetschten uns durch Kiel. Auf der Spur neben uns war ein Auto, vollgestopft mit jungen Menschen, die ein T-Shirt verlockend heraushielten und „Kaufeeeen?“, schrien. Ich brüllte zurück, dass ich nur noch 15 DM und ein Six-Pack Bier hatte (war ja auch echt wahr), und zu meinem Glück waren die Menschlein durstig. Irgendwie schafften wir es gerade noch, den Deal abzuwickeln, bevor es auf die Autobahn ging. Ja, und seither döste das T-Shirt im Kleiderschrank und wurde hin und wieder zum Zäunestreichen, Ställeausmisten und zu ähnlich wichtigen Terminen herausgezerrt. Als dann vor einigen Jahren das Abschiedskonzert im Hamburger Stadtpark anstand, kaufte ich mit Elan Karten. Und lag dann so richtig deprimiert mit einer fetten Sommergrippe im Bett herum, während Herr B. mit einem Kumpel das Konzert im strömenden Regen mehr oder weniger genoss. Noch heute erzählt er fasziniert die Geschichte, wie die Taschen seiner Regenjacke komplett voll Wasser liefen und sein Handy starb. So nass sei er im ganzen Leben noch nicht geworden. Ich war also etwas skeptisch, als der Weihnachtsmann Karten für ein Konzert „30 Jahre Fury in the Slaughterhouse“ in Bad Segeberg anschleppte. Aber, wie soll ich sagen: Bestes Wetter, beste Stimmung, und natürlich beste Songs. Ich zog selbstverständlich mein altes T-Shirt von 1997 an, und ein neues T-Shirt erwarben wir auch. Dieses bekam das Teeniegemüse geschenkt. In der Hoffnung, dass in dreißig Jahren ein weiteres Konzert stattfindet. Da rollen wir dann auch alle wieder hin, wahlweise per Rollator oder Rollstuhl. Seh mich schon den steilen Abhang am Kalkberg runterjodeln.

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17
Feb
Katzennamen

Katzen haben es bei uns irgendwie immer schwer, wenn es um ihren Namen geht. Los ging es mit unserem ersten Kater, den ich, als er ein winziges Kätzchen war, in den Händen hielt. Aaaaach, war der süüüüß, der brauchte einen ganz tollen, niedlichen Namen. Der kleine Sohn meiner Cousine, vier Jahre alt, betrachtete das Katzenkind und verkündete: "Der sieht ja aus wie eine Pappnase." Da hatten wir es. Mir fiel kein anderer Name mehr ein. Auch die Koseform "Paschi" änderte nix mehr an dran. Naja.Wir arrangierten uns. Ein paar Jahre später lief uns ein winziges, zunächst sehr knuddliges Kätzchen zu. Jaaaaa, der ist ja niiiiedlich, der bekommt einen wunderbaren Namen. Ich war für "Timmy". Meine Schwester Biggi kam vorbei. Seitdem hieß das liebe Tier "Kleinedickepuckisau". Für immer. Passte schon irgendwie, das Katertier wurde im Laufe der Zeit immer größer und krawalliger. Als es einmal den Postboten beißen wollte und ich "Puckisau!" brüllte, zuckte der Briefträger entsetzt zurück. Wir standen dann wohl ein paar Jahre auf seiner schwarzen Liste (Puckis weitere Gemeinheiten gehören in eine andere, längere Geschichte). Jahre später konzentrierten wir uns alle darauf, einen wunderschönen Namen für unseren auserwählten neuen orangeroten Kater zu finden. „Jojo“, so ein schöner, sanfter, weicher Name, fand man. Der süße Kleine wuchs heran und benahm sich bald wie, tja, wie ein ätzender, fieser gelber Kater. Seither nennen wir ihn „Joey“, hat sich ausgejojot. Bei einigen Katzen hatten wir dann doch noch allesamt Glück und sie erwischten einigermaßen nette Namen. Leider traf es nun die neueste vierbeinige Hausbewohnerin wieder hart: Im Dezember lief uns eine zerfledderte, zerrupfte, verfressene Katze zu. „Sissi“, sagte ich entzückt, schließlich liefen gerade die Sissi-Filme mit Romy Schneider im TV rauf und runter. „Streusel“, fand das Teenie-Gemüse. Wir zankten ein paar Tage herum. Derweil fraß sich die Katze dick und rund und heißt nun „Pummel“. Passt.

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Die zwei Schrecklichen auf Dänemarktour...

 

   Blaues Auto von links! Achtung, Maike naht! 

                              

Transportboxen gezückt! "Was, so viele!?" ächzt Steffis Mann. Ihm schwant Übles...

An einem schönen Samstagmorgen holte Maike Steffi in Schleswig ab, um mit ihr Dänemark zu plündern. Es galt, die schönsten, aber wirklich allerschönsten Meerschweine des Landes zu ergattern. Nebenbei wollten die zwei Grazien natürlich auch ein paar dänische Züchter mit ihrer Anwesenheit erfreuen und die Ausstellungstiere bewundern...

Jaja, noch lacht die Fahrerin...                                                           

"Steffi, wo muß ich doch gleich abbiegen? Stefffiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii?!!!"

Bewaffnet mit dänischen Kronen, Salat, Naschtüten und Kaffee, machte man sich auf den Weg. Steffi, ihres Zeichens Pfadfinder (wir finden alles! Irgendwann!), schwang die Karte und den Routenplan. Eigentlich konnte gar nichts schiefgehen. Leider teilte sich die Autobahn mitten in Dänemark plötzlich einfach, und an der Frage "Richtung Esbjerg oder Odense" scheiterten alle Autoinsassen. Vielleicht, wenn man nicht so viel gequasselt hätte, und sich statt dessen auf die lästigen Schilder am Straßenrand konzentriert hätte…naja, einige Kilometer später hatten die Damen wieder alles im Griff und den Kurs in die richtige Richtung korrigiert.

"Schon wieder so ein $!'*%&°Kreisel!"                                                           

Geschafft, man nähert sich Fredericia...

Am allerliebsten fährt Maike dänische Kreisel. Die deutschen Kreisel können mit denen einfach nicht mithalten, viel zu wenig Ausfahrmöglichkeiten!  Es gab großen Jubel, als die Ortsgrenze von Fredericia passiert war. Dann betretenes Schweigen. Es gab zwar einen Routenplan mit einem Straßennamen darauf, aber, tja, keinen Stadtplan. Todesmutig entschloss man sich, Kontakt zu den Einheimischen aufzunehmen ("Die Meerschweinzüchter sind doch auch immer lieb zu uns, wieso sollten die anderen Dänen uns nun fressen?").

 

"Wie, du hast die Adresse auch nicht notiert? Oh."                                 

In einem Imbiss stand ein hilfsbereiter Däne parat, um den Damen den Weg zu der Straße auf Maikes Routenplan zu weisen. Um mal gleich klarzustellen, wie nett die Dänen wirklich sind, fuhr der Herr voraus, das blaue Auto hübsch brav hinterher. In der Straße angekommen: Keine Meerschweine weit und breit. Maike ahnte es schon: Sie hatte die falsche Straße in den Routenplaner eingegeben! Entsetzen! Steffi fiel nach kurzem, angestrengtem Nachdenken die Vorwahl von Deutschland wieder ein, und ihr Göttergatte wurde via Handy quer über den Schreibtisch gejagt, um den Zettel mit der richtigen Adresse zu finden. Der freundliche Däne wartete geduldig, diskutierte mit Maike, ob sie nun das richtige Licht angemacht hätte ("It´s the long light, äh?"), vielleicht hätte sie vor der Fahrt die Gebrauchsanweisung zum Auto lesen sollen, aber ach was, alles war wunderbar, besonders, als die korrekte Adresse genannt wurde und der Däne sogar wusste, wohin die Damen zu reisen wünschten. Klar fuhr er wiederum voraus und geleitete, ganz dänischer Held und Wikinger, die dusseligen deutschen Maiden zur Bakkeskolen. Dafür gab es dann auch eine Packung Naschis und zwei glücklich strahlende Gesichter zur Belohnung.

                     "Wer seid ihr denn eigentlich?"

In der Halle angekommen, standen die Damen zunächst leicht erschöpft mitten im Gang. Maikes Blick fiel auf einen Käfig mit deutschem Zuchtnamen. "Guck mal, Deutsche hier!" Eine junge Frau, die ganz harmlos neben Maike stand, horchte auf. "Ah! Du bist Deutsche!" rief Maike begeistert. "Öh, ja, und wer seid ihr? Welche Zucht habt ihr?" sprach die andere. Da fielen den beiden leider spontan weder Name noch Zuchtname ein.  Stotter, dumm guck. Endlich konnte Maike die Aufschrift auf der Weste der jungen Frau lesen und schrie begeistert "Das ist Grit! Eh, Grit, das da ist Steffi!". Worauf beide sie erst mal merkwürdig anblickten, soso. Endlich klingelte es: Grit ist eine Züchterin, mit der Steffi im Mailkontakt stand, und Posemuckel in Maikes Stall ist das entzückendste Meerschwein auf Erden, ein Lausitzschwein!

Grit war gar nicht allein dort, sie hatte ihre Kollegen von der ZG Ost dabei, die dann auch noch kennengelernt wurden...samt Schweinchen, natürlich.  Nun mussten die Damen erst mal eine Pause einlegen und etwas futtern. Man machte es sich mit Kaffee, Salat und Frikadellen auf der Rückbank des blauen Autos bequem. Kaum waren die Türen zugeschlagen, fiel Maike auf, dass die Kindersicherung eingeschaltet war. Upps. Elegant-hartnäckig winkte sie einen dänischen jungen Mann heran, der auch artig die Tür öffnete. Ein weiterer dänischer Held! So mutig, an ein Auto mit zwei kichernden, giggelnden Weibern heranzutreten! Und sogar die Tür zu öffnen! Sagenhaft.

Nach erfolgter Stärkung ging es wieder hinein ins Getümmel. Man muss sich vorstellen, die Dänen klemmen sie ihre Schweine während der Ausstellung unter den Arm, setzen sie auf die Showbretter, kämmen, bürsten, schneiden, trimmen, zupfen, knuddeln, herrlich! Endlich fanden die Damen Jytte in diesem Gewusel, eine liebe dänische Züchterin, aus deren Zucht schon einige Schweinchen die Quadriga und PuderRosa bereichern. Auch an diesem Tag sollte es ein Schweinchen von ihr sein, das mitreisen durfte.

" Wo ist denn da vorne, Jytte?"                                                                                   

"DA!"

Zwischendurch wurden weitere Züchter begrüßt, unter anderem Christina, aus deren Zucht ebenfalls Ableger hier herumhopsen, und Annemette, die das entzückende Meerschwein mit dem ebenso entzückenden Namen Letterbomb von Linda für Maike mitgebracht hatte. Auf dänischen Ausstellungen herrscht eine ganz tolle Atmosphäre, und über Nachwuchs macht man sich dort sicher keine Sorgen, unzählige Kinder waren anwesend, die ihre Tiere kuschelten und vorstellten.

 

"Naaa, magst du meine rote Zopfspange?" "Die finde ich super, du schnuckliges Schweinchen!"

Tja, und am Ende reisten die Norddeutschen so wieder ab, wie sie angekommen waren: erschöpft, aber begeistert! Mehrere Schweinchen im Gepäck, etliche Naschitüten weniger, Kaffeekanne leer, Autotank auch...

Fotos: Stefanie Johns und Maike Bernhardt; Text: Maike Bernhardt

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