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Ap
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18.04.2015 14:52

Spandau Ballet  im CCH am 17.April 2015

...wir schreiben das Jahr...nein, nicht 1985. Wir befinden uns im April 2015. Wochenlang habe ich Hutz bearbeitet, bis sie klein beigab und mich die Karten für das Spandau Ballet Konzert für uns zwei kaufen ließ. Nun also fahre ich wacker durch den Hamburger Feierabendverkehr. Wer mich kennt, weiß, dass es für mich außer Zahnarztbesuche kaum etwas Schlimmeres gibt. Selbstverständlich leitet mich die Uschi /das Navi völlig unsinnige Strecken entlang und ich komme viel zu spät bei Hutz an, die auch noch im dritten Stock wohnt. Halbtot falle ich in die Haustür. Das kann ja heiter werden. Hutz und Barney versorgen mich sicherheitshalber mit einer guten Mahlzeit, damit ich durchhalte, und dann springen Hutz und ich ab in die U-Bahn und beim CCH wieder raus aus der U-Bahn. Hutz hat ihre Hausaufgaben gemacht und im Internet "Spandau Ballet" gegoogelt, ich frage während der Fahrt streng ab. Alles klar, wir sind bestens vorbereitet und haben sogar die Tickets dabei. Das CCH habe ich noch nicht oft besucht und mich noch jedes Mal da drinnen verirrt. Zu finden ist es ja leicht, weil groß und beschriftet, aber da drinnen...traben wir dann einfach mal der Menschenmenge nach. Wir suchen eilig im Saal unsere Plätze und Hutz meint, och, das ist ja nicht so voll besetzt. WAAA, kreische ich empört (da fühle ich mich in meiner Fan-Ehre angekratzt!), warte mal ab, das wird proppevoll hier! Es wird proppevoll, was mich insgeheim doch überrascht. Unauffällig begucke ich das Publikum, das bunt gemischt ist. Viel Volk in unserem Alter, erstaunlich viele Männer, die gar nicht so wirken, als hätte ihre Liebste sie mitgezerrt, und sogar jüngeres Gemüse ist da. Endlich! Die Show geht los! Hurra! Als ob die Menge irgendein geheimes Zeichen gedeutet hätte, stürmt man Richtung Bühne, bereits nach dem dritten Song tobt der Saal. Ich sach noch, Sitzplatzveranstaltung? Halte ich für ein Gerücht. "Highly Strung" und "Only when you leave", natürlich, und Hutz stopft sich Taschentücher in die Ohren, ja, sicher ist es auf so einem Konzert etwas lauter! Große Freude bei mir, als mein Lieblingssong für immer "I'll fly for you" von Tony angestimmt wird. Hutz stellt fest, dass er eine supertolle Stimme hat. Ja natürlich hat er die, sonst wäre ich ja auch nicht nach über dreißig Jahren noch so hartnäckig von der Band überzeugt, Hutz! Irgendwann halten wir es in unserer Sitzreihe auch nicht mehr aus und huschen aus dem Saal. Unser Plan glückt, wir hangeln uns im Zickzack wieder in den Saal und landen genau vor der Bühne. Dort stehen zu meiner großen Begeisterung lauter weibliche Fans, die genauso munter mitsingen und sich wie ich einfach freuen, genau jetzt genau hier an diesem Ort zu sein. Hutz freut sich auch, weil wir genau vor den Boxen stehen. Das mit den Taschentüchern kann sie vergessen. In einer Songpause ruft sie begeistert "Ja, den Song kenne ich auch!". Alles dreht sich zu uns um. Ich mache ein unbeteiligtes Gesicht. Die da? Die kenne ich gar nicht. Los, nächster Titel, weiter singen! Die Herzbuben spielen neue und ältere Songs, und hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Na, wer im Publikum ist denn auch textsicher bei den richtig alten Sachen? Die Bühnenmenge ist solide und hält mit. Aber wo bleiben denn "True" und "Gold"? Solange die noch nicht kommen, ist hier noch lange nicht Schluss. Ich schaue mir das Volk um uns herum noch mal an: Das Durchschnittsalter, würde ich tippen, liegt bei Mitte 40. Nicht so glatte, vom Leben noch unbeschriebene Gesichter wie bei Teenie-Konzerten, hier sind lauter Menschen, die schon Sachen erlebt haben, die seit den 80ern so viel gehört und gesehen haben und die immer noch, und das ist das eigentlich Tolle an diesem Abend, die Songtexte ihrer Band auswendig mitsingen. Ob das nun schön klingt oder nicht, ist heute total egal, Zeit steht still, nein sie dreht sich zurück, und wuuuuupp, sind wir alle wieder 15, 16, 17 Jahre alt und freuen uns an dem Augenblick. Und ich könnte schwören, dass es Tony, Gary, Martin, John und Steve ebenso ergeht. Man sieht ihnen die Freude an ihrer Musik, an dem begeisterten Publikum und dem Leben an sich an. Danke, danke für einen wunderschönen Abend und kommt wieder einmal auf Tour hierher! Wir singen dann auch wieder alle, alle mit bei "Gold" und glauben an euch, an uns und an das Leben! Once more!

Ja, als nach der Zugabe das Konzert leider zu Ende ist, verirren Hutz und ich uns vor dem CCH zwischen den Bäumen und Stiefmütterchen, die dort im Dunkeln herumstehen und uns den Weg zur U-Bahn versperren. Hutz fragt sich ratlos, wo die U-Bahnstation hingewandert sein könnte. Ich zucke die Schultern, ich habe bekanntermaßen null Orientierungssinn. Ergeben trotte ich hinter ihr her durch den angeblichen Wald und siehe da, da ist die U-Bahn. Zunächst wollen wir in die falsche Richtung fahren, was vermutlich daran liegt, dass wir eigentlich gar nicht fahren wollen, so schön war das Konzert. Wir schaffen es mit Hilfe eines netten jungen Mannes (ich helfe den Chaos- und Konfettidamen mal sicherheitshalber, denkt er wohl) dann doch noch in die richtige Bahn. Na, finden wir, darauf einen Sekt!

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