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Auf dieser Seite möchte ich hin und wieder Bücher vorstellen, durch die ich mich durchgeknabbert habe. Selten auch eigene Texte, wenn sie mir in die Hände fallen.

...und hier mal Familienkrams...:

Das silberne Band

 

„…und dass du mir ja kein blödes Gesicht ziehst! Ich meine es ernst! Keine Albernheiten!“, mahnte meine Mutter. Sie wirkte angespannt.

Ich fühlte mich noch viel zu erschöpft und matt von der Busfahrt, ihre Sorge war unbegründet. Ich würde kein dummes Gesicht aufsetzen im Angesicht der allmächtigen Grenzbeamten.

Ich war eben gerade aus dem Reisebus gestiegen. Busfahren lag mir nicht. Ich hatte die letzten sechs Stunden starr auf meinem Sitz gesessen und eine Tüte fest in den Händen gehalten, für alle Fälle. Die Transitstrecke hatte ich kaum beachtet.

Nun waren wir also in Berlin. Unsere Reisegruppe musste durch einen schmalen Gang, Pässe vorzeigen, angespannte Mienen, hässliche grüne Uniformen, unpersönliche Gestalten ohne Gesichter auf der anderen Seite des Schalters. Spiegel.

Der Beamte, unwirsch: „Gehen Sie weiter!“ Aufatmen, als wir endlich im Osten standen.

Ich war zuvor nie in Berlin gewesen, weder im Westteil, noch im Osten, aber ich hatte sogleich das Gefühl, letzterer gehörte in eine völlig andere Welt.

Es roch sogar ganz anders hier als im Westen. Dass dies an der Braunkohle und den Trabbiabgasen lag, wusste ich nicht.

Wir trafen meine Tante und meine Cousine, die ich nur von Fotos kannte, auf dem Alexanderplatz.

Meine Tante und meine Mutter hatten sich schon einige Male getroffen.

Sie fanden sich und umarmten sich herzlich.

 Ich beguckte den Platz, die Gebäude, musterte die Cousine von der Seite. Verlegen lächelte ich das Mädchen an, dem ich seit Jahren Briefe schrieb.

Briefe, von denen ich wusste, dass sie durch eine Zensur mussten. Mir tat der Mensch, der meine langen Schriebe über Kaninchen und meine Ponyleidenschaft lesen musste, fast ein wenig leid, und gleichzeitig war ich wütend darüber, dass es jemand wagte, meine private Post durchzuschnüffeln. Was konnten 14 jährige Schulmädchen einander denn schon Verdächtiges schreiben?

Wir bummelten ein wenig durch Ostberlin, aber eine richtige Unterhaltung fiel uns anfangs schwer. Das Gefühl, gefangen zu sein, drückte mich nieder.

Was, wenn wir abends am Grenzposten nicht durchgelassen würden?

Ich guckte in die Schaufenster eines Intershops. Meine Cousine war fasziniert, ich auch. Westwaren. So war das hier also.

 

Wir wollten essen gehen. Im Lokal staunte ich über die fast schon unterwürfige Art, in der meine Tante nach einem Tisch fragte.

Der Kellner war ziemlich anmaßend, fand ich, ich hielt aber sicherheitshalber den Mund. Nach einer längeren Wartezeit, vielleicht war ich auch nur so hungrig und ungeduldig, erhielten wir einen Tisch zugeteilt. Die Ost-Cola schmeckte mir nicht.

 

Meine Cousine sächselte vor sich hin. Ich verstand das meiste, denn ich war von zu Hause daran gewöhnt, da mein Vater als gebürtiger Sachse den Dialekt nie abgelegt hatte.

 

Ungewöhnlich klang das im ländlichen Schleswig-Holstein.  Aus Schabernack übertrieb er es manchmal ein wenig. Meine Schulfreundinnen brachte er so gern in Verlegenheit, wenn er ihnen sächsische Sätze an den Kopf warf. Ratlos blickten sie dann zu mir, und ich grinste und übersetzte.

 

Wir mussten wieder los, zurück in den Westen, Tagesvisum. Der Reisebus wartete. Vorher aber noch schnell auf den Fernsehturm. Im Fahrstuhl wurde mir mulmig, es knirschte und knarzte. Ich hatte nicht sehr viel Zutrauen zu der Technik.

 

Oben standen wir lange, obwohl die Zeit drängte. Die Mauer. Meine Cousine und ich starrten schweigend auf das silberne Band, das mitten durch die Stadt schnitt. Und auch mitten durch unsere Familie.

 

Abschied, Beklemmung, ungeschickte Umarmung, ich wusste, so schnell würde ich die Cousine nicht wieder sehen. „Schreib mir, du bist dran!“

 

Wieder durch die Kontrolle, diesmal war meine Mutter, wie mir auffiel, nicht mehr so nervös. Hatte sie etwa Westgeld eingeschmuggelt?

„Das werde ich dir Göre auch noch auf die Nase binden!“ war ihr kurzer Kommentar.

Transitstrecke, Reisebus, heimatliches Kuhdorf; Gedanken an Ostdeutschland und an das unangenehme Gefühl des Eingesperrtseins abgeschüttelt.

Weitere Briefe folgten, doch je älter wir Cousinen wurden, desto seltener wurden die Schriebe.

Eine Frage kam immer wieder in den Sinn:

Wie mochte sich mein Vater wohl gefühlt haben?

Er war nach dem Kriegsende im Westen geblieben, der Liebe wegen. Ein kleiner, sturer, aufbrausender Sachse, der auf die Briefe seiner Mutter: „Komm doch heim, was willst du da oben im Norden?“ nicht antwortete.

 

Dann kam die Mauer. Sie bedeutete für ihn die endgültige Trennung von der alten Heimat.

Die Grenze war unüberwindbar. Sie wuchs innen wie außen. Jahrzehnte vergingen wie ein Augenblick, doch  Menschen wurden älter.

 

Als die Mauer fiel, saßen mein Vater und ich gemeinsam vor dem TV-Gerät und sahen die Nachrichtensendung, die Live-Übertragung, die Menschen zeigte, welche auf der Mauer tanzten und Sektflaschen schüttelten.

Wir guckten uns an und wären am liebsten auch zum Feiern nach Berlin gefahren oder wenigstens nach Lübeck, um die Trabbis zu begrüßen. Ließen es dann aber bleiben.

Dass wir es nicht taten, finde ich immer noch schade.

 

Meine Mutter und ich fuhren tatsächlich eines Tages in das Heimatdorf meines Vaters. Nein, er selbst würde dort nie wieder hinfahren, hatte er geschworen. Warum, verriet er mir nicht. Ich sollte mir das Dorf ansehen, in dem er aufgewachsen war, es war ja auch ein Teil meiner Vergangenheit.

             

Ich machte Fotos von seinem Geburtshaus und dem Bauernhof, auf dem er schon als Zwölfjähriger gearbeitet, oder besser, geschuftet hatte.

 

Die Brücke mit den alten Bäumen, es waren Pappeln, erkannte er auf den Bildern. Da hatte mein Vater als Kind gespielt, war in die Bäume geklettert.

 

Ansonsten gab er keine Sehnsucht preis.

 

Ich fand das seltsam. Ich selbst hatte schon als Kind immer Heimweh nach meiner Heimat gehabt. Das wurde mit den Jahren nicht weniger, eher stärker.

Hatte mein Vater sich seine alte Heimat aus dem Herzen geschnitten? Konnte man das?

 

Fragen, die ich ihm nicht mehr stellen konnte.

 

Der Kontakt zur Familie im Osten brach völlig ab, nachdem die Mauer gefallen war. Das Leben meiner Cousine, die mir charakterlich wie auch äußerlich ähnelte, hätte ich gern weiter verfolgt.

Wir besuchten uns kurz nach der Grenzöffnung gegenseitig, weil das alle taten, dann war Funkstille, und so ist es geblieben.

Auch die anderen Cousins, Cousinen, Onkel und Tanten sind mir jetzt ferner und fremder als in all den Jahren, in denen wir Briefe und Pakete ausgetauscht hatten. Westkaffee, Ostpyramiden, Schokolade, Kinderbücher. Ich habe in den Regalen immer noch einige politisch gefärbte Ostjugendbücher, russische Kindergeschichten, tschechische Autoren.

 

Mein sächsisches Erbe ist weit weg von mir. Ich war dort in Sachsen wie in einem fremden Land. Ich spürte keine Wurzeln. Die Jahrzehnte der Mauer, diesem silbernen Band, sie haben Spuren auch in meinem Leben hinterlassen.

                       

Einer von neun

Jedes Jahr im Februar bekam mein Vater einen Strauß gelber Rosen. Jedes Jahr. Am 24. Februar feierten wir seinen zweiten Geburtstag.

Im Jahr 1946 lag Nachkriegsdeutschland in Trümmern. Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt. Er hatte bei der Marine gedient, war in Kriegsgefangenschaft geraten und hatte sich nun freiwillig zum Minensuchtrupp gemeldet.

Schleswig-Holstein war britische Besatzungszone. Es wurde angeordnet, dass der kleine Dampfer „Lichtwark“ mit 110 ehemaligen Marinesoldaten an Bord auslaufen sollte, obwohl die Wetterverhältnisse ungünstig waren. Es herrschte Windstärke 9 und Sturmflutgefahr. Die Fahrt sollte auf der Elbe von Hamburg Richtung Cuxhaven gehen. Soweit die Tatsachen.

Mein Vater schilderte uns später, dass das Schiff unheimlich schnell unterging. Er hatte kaum noch Zeit,  seinen Schal wie einen Gürtel um die Taille zu wickeln. Diese Geistesgegenwart trug vielleicht dazu bei, dass er am Leben blieb, denn so bildete sich unter der Jacke eine Art Luftblase, die ein wenig wärmte. Und natürlich rettete ihn sein starkes junges Herz. Ostpreußenblut ist stark, sagte er dazu später oft.

Ob das Schiff auf eine Mine getroffen war, konnte er nicht sagen, aber wollte es auch nicht ausschließen.

Die Männer klammerten sich in dem eisigen Wasser an alles, was sie finden konnten, nicht nur an Gegenstände, auch an andere Menschen.

Mein Vater schwamm beharrlich, er kam nicht bis an die scheinbar rettenden Gegenstände heran, die anderen Schiffbrüchigen ließen dies nicht zu. Im Gegenteil, sie klammerten sich an ihn.

Berichtet hat er über diese seine wohl schwersten Stunden erst spät in seinem Leben.

Als wir eines Abends den „Titanic“-Spielfilm mit Kate Winslet und Leonardo diCaprio schauten in unserem warmen, sicheren Wohnzimmer, kam die Szene, in der die Menschen im Eiswasser erstarrten. Tote Augen, die blicklos gen Himmel gerichtet waren.

„Genau so“, sagte mein Vater. Auch die gespenstische Stille, die den verzweifelten Versuchen, im Wasser strampelnd und um sich schlagend das Leben zu retten, folgte, konnte er schildern. Als wären nicht Jahrzehnte vergangen. Die Stunden, die er im Wasser verbracht hatte, auf Rettung hoffend, um sich herum die sterbenden Kameraden, dies alles mochte er uns, seinen Kindern, nur andeuten. Er war sich sicher, dass ihn nur die ständige Bewegung am Leben gehalten hatte. Alle Männer, die sich irgendwo festgeklammert hatten, waren erfroren.

Mein Vater war einer von neun Männern, die dieses Unglück überlebten. Neun von 110.

Wir haben einen winzigen Zeitungsausschnitt mit einem unscharfen Foto aus einer Hamburger Zeitung: „Zum Schiffsunglück bei Balje“.  Mehr Berichterstattung war diese Katastrophe damals nicht wert. Ach doch, über die Bergung des Dampfers berichtete die Wochenschau in einem kleinen Film.

1996 fand wohl in der Nähe der Unglücksstelle eine große Gedenkfeier mit Kranzniederlegung statt. Mein Vater wäre, wenn man ihn eingeladen hätte, dorthin gefahren.

Den 24. Februar, diesen Schicksalstag, nahm er zum Anlass, sein Leben neu auszurichten.

Am 28.März 1946 heiratete er meine Mutter und gründete mit ihr seine eigene kleine Familie. Er sagte „ja!“ zum Leben und ließ die Schatten hinter sich.

1956 ging er wieder zur Marine und wurde Berufssoldat. Der Dienst auf dem Meer, das ihn anzog, ihn rief, war sein Leben.

 

 

 

Tante Inge fragte mich, was sie mir denn mal mitbringen könne. Och, meinte ich, ein Buch geht immer. Daraufhin bekam ich richtig schön viele alte Bücher.

Georgette Heyer: Der Page und die Herzogin. Öh, dachte ich, wasdasdennhier? Es fing etwas gewöhnungsbedürftig an und entwickelte sich zu einem richtig netten Roman, mon dieu, würde Madam Heyer sagen, c'est formidable! Hat man sich mit ihrem Stil arrangiert, macht das Buch richtig Spaß.

Mein absoluter Lieblingsdichter ist und bleibt ja der Freiherrr usw von Eichendorff. Kann natürlich auch damit zusammen hängen, dass ich die Epoche der Romantik als schönste empfinde.

Nuja. Hier mal ein paar Schätze:

Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

 

Der Morgen

Fliegt der erste Morgenstrahl
Durch das stille Nebeltal,
Rauscht erwachend Wald und Hügel:
Wer da fliegen kann, nimmt Flügel!

Und sein Hütlein in die Luft
Wirft der Mensch vor Lust und ruft:
Hat Gesang doch auch noch Schwingen,
Nun, so will ich fröhlich singen!

Hinaus, o Mensch, weit in die Welt,
Bangt dir das Herz in krankem Mut;
Nichts ist so trüb in Nacht gestellt,
Der Morgen leicht machts wieder gut.

 

 

 

 

 

Auf der ganzen Welt

gibt es nichts Weicheres

und Schwächeres

als das Wasser.

Und doch in der Art,

wie es dem Harten zusetzt,

kommt ihm nichts gleich.

Es kann durch nichts verändert werden.

 

Dass Schwaches das Starke besiegt

und Weiches das Harte besiegt,

weiß jedermann auf Erden,

aber niemand

vermag danach zu handeln.

(Laotse)

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!

Einsam ist jeder Busch und Stein,

Kein Baum sieht den andern,

Jeder ist allein.

 

Voll von Freunden war mir die Welt,

Als noch mein Leben licht war;

Nun, da der Nebel fällt,

Ist keiner mehr sichtbar.

 

Wahrlich, keiner ist weise,

Der nicht das Dunkel kennt,

Das unentrinnbar und leise

Von allen ihn trennt.

 

Seltsam, im Nebel zu wandern!

Leben ist Einsamsein.

Kein Mensch kennt den andern,

Jeder ist allein.

 

Hermann Hesse

 

Nun die Schatten dunkeln, Stern an Stern erwacht.

Welch ein Hauch der Sehnsucht flutet in die Nacht.

Durch das Meer der Träume steuert ohne Ruh,

Steuert meine Seele Deiner Seele zu.

Die sich dir ergeben, nimm sie ganz dahin!

Ach, du weißt, daß nimmer ich mein eigen bin.

E. Geibel

 

 

...unser Dorfkaufmann warf das Handtuch. Op´m Dörp kennt ja nun jeder jeden, und Generationen von Kindern haben ihre Naschitüten dort geholt, die Muddis den Dorftratsch eingesammelt, man huschte noch mal schnell kurz vor Feierabend hin, um Waschpulver zu kaufen, und überhaupt gehört in ein Dorf ein Laden. Nun hat der Besitzer gewechselt, aber das ist eben ein "Neuer". Für den "Alten" schrieb ich  ein paar Zeilen:

 

 

 

Op´m Dörp

Es klingelt. Ein kleines Mädchen versteckt sich hinter dem Rock der Mutter und schaut vorsichtig aus der Haustür heraus. Der Kaufmann ist da! Er gibt der Mutter das „Einkaufsbuch“. Sie wird, wie in jeder Woche, dort ihre Bestellung hineinschreiben. Dann wird sie das Buch vor die Haustür auf die Fußmatte legen. Der Kaufmann wird es später einsammeln und am nächsten Tag die Lebensmittel liefern. Doch jetzt ist er erst mal damit beschäftigt, in seiner Jackentasche zu kramen. Wo hat er denn nur…das kleine Mädchen macht einen Schritt nach vorn. Ah, da, der Kaufmann hält ihr seine Hand entgegen. Karamellbonbons! Die hat er immer dabei, für die „Kunden von morgen“. Das dunkelhaarige Mädchen strahlt, nimmt die Bonbons und bedankt sich artig. Nun ist es gar nicht mehr schüchtern, es packt die klebrige Masse aus und ist zufrieden mit sich und der Welt.

 

Ein paar Jahre später. Mutter hat verschlafen. Sie springt aus dem Bett und rennt im Nachthemd die Treppe herunter. Das kleine Mädchen hat soeben mit dem großen Bruder den Karton mit der wöchentlichen Lieferung, die wie üblich auf der Fußmatte vor dem Haus stand, in den Flur gezerrt. Die Mutter kann sich in letzter Sekunde, bevor die Kinder die Einkäufe durchwühlen, dazwischenstellen. Nein, nein, ääääh, diese Kiste ist leider heute nichts für Kinder, husch, fort mit euch. Das kleine Mädchen grinst. Es hat doch bereits die heißersehnte Barbiepuppe entdeckt, die demnächst dann wohl zufällig der Weihnachtsmann bringen wird. Toll, was der Kaufmann alles herbeizaubern kann!

 

Noch ein paar Jahre später. Das kleine Mädchen ist inzwischen noch etwas älter. Es muß ein Schulpraktikum machen. Das Mädchen arbeitet zwei Wochen lang im kleinen Laden. Es darf mitfahren, Bestellungen ausliefern, auch zum Elternhaus, und Waren im Laden auspacken. Meistens wird es aber von der Chefin dazu ermuntert, sich im „Naschiregal“ zu bedienen, und nimmt in der kurzen Zeit erstaunliche drei Kilo zu.

 

Später. Der kleine Tante-Emma-Laden ist erwachsen geworden und steht nun groß und einladend am Dorfrand. Das Mädchen ist auch erwachsen geworden und steht mit Einkäufen an der Kasse. Die Verkäuferin beugt sich vor. Sie sieht das kleine blonde Mädchen, das sich hinter Mamas Rücken verbirgt, fragend an und hält einen kleinen Lolli hoch. Darf sie…? Klar darf sie. Das kleine Mädchen traut sich hervor, nimmt fröhlich lächelnd den Lolli entgegen und bedankt sich artig. Es packt den klebrigen Lutscher aus und ist zufrieden mit sich und der Welt.

 

 

Vielen Dank für viele Jahre!

 

 

...ich warf den Brief in den Briefkasten und dachte so, na, das errät er nie, wer das geschrieben hat. Ja Pustekuchen, letzte Woche hielt er an meiner Ponykoppel an und bedankte sich. Hätte ich nicht gedacht. Gab wohl nicht so viele Schulpraktikantinnen, die so viel genascht haben...

 

Hauptpreis des Schreibwettbewerbs "Taubengeschichten" Hrsg. Barbara Krauss, 2010:

 Die Sehnsucht fliegt nach Hause

 Ich wuchs in einem kleinen Dorf in der Mitte von Schleswig-Holstein auf, und Tiere waren für uns ganz selbstverständlich ein Teil unseres Lebens. Wir hatten einen Hund, eine Katze, Hühner und Brieftauben. Letztere waren der ganze Stolz und die Freude meines Vaters.

Nun muß ich dazu anmerken, dass mein Vater ein richtiger Einzelgänger war, der am liebsten allein in seinem Garten und bei seinen Tieren war. Wir Kinder lernten viel von ihm: Morgens wurde sich als erstes um die Tiere gekümmert, er stapfte raus in den Schnee und versorgte die Hühner und Tauben mit frischem Wasser, bevor wir frühstückten. Meine Mutter grollte oft genug über „Die Sauerei im Küchenspülbecken!“, wenn dort Eisreste vom Auftauen lagen. Sie teilte diese Tierliebe nur begrenzt. Mein Bruder kümmerte sich um seinen Hund, und ich, ich hatte das Geflügel und später eine Bande Kaninchen.

In den 70ern aß man noch unbekümmert Taubeneier, das waren die „Kinderfrühstückseier“ bei uns, und sie schmeckten mir gut. Und die Tauben, die schmeckten mir, ehrlich gesagt, auch gut. Mein Vater sortierte ein paar Mal im Jahr aus, und es gehörte eben dazu, dass die Tiere geschlachtet, gerupft und zubereitet wurden. Schön mit Petersilie und würziger Brühe.

Ich hatte auch meine eigenen Tauben, immer nur ein, zwei Stück, das reichte mir. Ich mistete die Ställe mit aus und fuhr mit zum Futterhändler, guckte beim Beringen zu und war auch nicht zimperlich, wenn es darum ging, von einer geschlachteten Taube den Ring vom Beinchen wieder zu entfernen.

Wettflüge machten wir nie mit; als meine Eltern noch in Kiel gewohnt hatten, hatte mein Vater sich in diesem Bereich gut ausgekannt und viele Flüge im Verein mit bestritten, aber in unserem Kuhdorf nicht. Dort gab es zunächst eher mal Streit, weil sich die Tauben auch für die Gemüsebeete der Nachbarn interessierten. Da im Laufe der Jahre aber zum einen die Gärtnerbegeisterung der Nachbarn nachließ und sie zum anderen merkten, in diesem Punkt war ihr Nachbar empfindlich, kehrte Ruhe ein. Die Tauben flogen eben. Wer neu ins Dorf zog, wusste das, und er wusste auch, dass Hähne morgens krähen.

Mein Vater hielt, auch als er alt und krank wurde, immer seine kleine Taubenschar. Es machte ihm große Freude, morgens den Schlag zu öffnen, und alle Tauben stoben los und flatterten heraus. Auf seinen Ruf „Kommt!“ abends flogen sie alle sofort in den Schlag. Wundervoll, Tauben auf dem Hausdach zu sehen. Für mich war das eine Selbstverständlichkeit. Ich höre immer noch das Geräusch der Taubenschwingen, wenn ich die Augen schließe und mir vorstelle, dass ich wieder zu Hause im Garten sitze. Ich höre die Tauben über das Terrassendach tippeln, höre ihr Gurren.

Mein Vater ist seit fast vier Jahren tot. In seinem letzten Lebensjahr hatte meine Mutter die letzten Tauben abgeschafft. Das hatte ihn schwer getroffen. Mich auch, aber ich sah es ja ein, es war niemand da, der sich um die Tiere kümmern konnte. Der Stall draußen war so leer, der Garten verwilderte, schon lange gab es keinen Hund, keine Katze, keine Hühner mehr dort.

Meine Mutter verkaufte mein Elternhaus bald nach dem Tod meines Vaters. Die neuen Besitzer rissen als erste Tat die alten Ställe ab.

Ich weiß, ich werde niemals selbst Tauben halten. Aber die Sehnsucht, die fliegt nach Hause, in ein kleines Kuhdorf in der Mitte von Schleswig-Holstein: Es ist Sommer, ein Schwarm Tauben fliegt im weiten Bogen über die Dächer, silberglänzend in der Morgensonne, elegant, frei.

 

 

 

Beitrag zur Anthologie "Augenblicke, die berühren", Hrsg. Marie Rossi, 2010:

 

 

Das Blatt

 

Ich hatte mir vor diesem Morgen wirklich keine Gedanken über unseren Einsatz gemacht. Sowas mache ich nie, ich bin doch nicht verrückt. Das führt doch nur zu unnützen Grübeleien. Nee, nee.

So zog ich auch an jenem Tag meine Uniform an und fuhr zum Dienst. Auf der Station waren schon die meisten Kollegen eingetroffen und zogen plaudernd ihre Ausrüstungen an. War ja nichts wirklich Bedrohliches auf dem Plan, nur so ein paar Öko-Spinner, die sich ein bisschen in Szene setzen wollten. Harmlose Sache.

Wir kamen im Dunkeln an, so früh war es noch, und ich wünschte mir ganz dringend einen Kaffee. Aber Einsatz ist Einsatz, also stellte ich mich mit den Kameraden auf, zog das Visier meines Helms herunter und hielt meinen Schutzschild vor mich. Ganz nach Vorschrift.

Und da waren sie auch schon, die Umweltschützer. Meine Güte, wie die mir auf die Nerven gingen mit ihren ewigen illegalen Aktionen. Aber immerhin waren sie meistens friedlich. Klar fasste man die nicht mit Samthandschuhen an, diese passiv herumliegenden Nervensägen. Die konnten sich ganz schön schwer machen, wenn man sie wegtragen musste.

Wir bewegten uns nun in einer geschlossenen Reihe auf die Handvoll Gestalten zu, die eine Menschenkette um den Stamm des alten Baumes gebildet hatten. Affenkram, was machte denn nun ein Baum mehr oder weniger aus – die Wälder waren doch voll davon.

Es folgten die üblichen Auseinandersetzungen, das Hickhack und Gezerre, während im Hintergrund die Arbeiter mit ihren Motorsägen geduldig warteten.

Endlich hatten wir es geschafft, die Ökos beiseite zu räumen. Ich nahm meinen Helm ab und wischte mir erschöpft den Schweiß von der Stirn.

Da strich etwas über mein Gesicht. Ganz sanft und zart, aber ich zuckte zusammen wie nach einem harten Schlag. Erstaunt stellte ich fest, dass ein Blatt von dem Baum herabgefallen war, geradewegs auf mein Gesicht. Ich bückte mich und hob es auf. Es war dunkelrot gefärbt – aha, eine Blutbuche, dachte ich. Komisch, bis zu diesem Moment hatte ich mich noch nicht einmal dafür interessiert, welche Art von Baum gefällt werden sollte.

Ich betrachtete nun, das Blatt in der Hand haltend, die mächtige Krone, den riesigen Stamm, die wie Arme ausgestreckten Äste des alten Ungetüms. Es stand einfach nur da, wirkte völlig unberührt von dem ganzen Zirkus drum herum und seinem drohenden Schicksal. Aber trotzdem hatte es mich berührt.

Sowas Albernes. Ich schüttelte diese lästigen Gedanken ab. Ich wich mit den anderen zurück, als die Holzfäller mit ihren Sägen heranrückten und mit ihrer Arbeit begannen. Sie fällten nicht in einer dramatischen Aktion den Stamm, sondern zersägten Ast für Ast, Häppchen für Häppchen den alten Riesen zu Kleinholz.

Als sie endlich fertig waren, durften wir den Ort verlassen, der Einsatz war abgeschlossen.

Erst als ich mich in der Umkleidekabine auszog stellte ich fest, dass ich das rote Blatt immer noch in der Hand hielt. Ich wollte es wegwerfen. Stattdessen legte ich es in meinen Spind.

 

Anthony Burke & John Rendall: Der Löwe Christian

Beim Stöbern im www stolperte ich letztes Jahr über ein kleines Video. Mit Musik unterlegt, zeigt es Bilder eines Löwenbabys, das von zwei jungen Männern in einer Wohnung aufgezogen wird und schließlich in die Freiheit entlassen wird. Als die beiden ein Jahr später nach Kenia fahren, wird im Film festgehalten, wie liebevoll das Wiedersehen ist. Ehrlich, ich heule selten bei solchen Clips, aber da war ich ziemlich am Schniefen. Testdurchläufe mit einigen weiteren Hürslandbewohnern bewiesen, dass ich damit nicht allein war. Schnief. Hier mal der Clip:

http://www.cyberthing.net/video-play.php?id=105

Als nun Manuela etwas vom neuen Buch "...mit einem Löwenbaby in London..." murmelte, griff ich zu. In den 70ern war Christian, der Löwe, wohl recht bekannt, aber was soll ich machen, da wurde ich ja gerade erst geboren. Somit ist "Der Löwe Christian -unser verrücktes Leben mit einem Löwen in London" eine aktualisierte Neuauflage. Wunderschön. Zwei frisch in England eingetrudelte Australier haben nichts besseres zu tun, als bei Harrod´s ein Löwenjunges zu kaufen und es aufzuziehen. Genau. Was besseres konnten sie kaum machen, man liest zwischen den Zeilen, wie groß ihre Liebe zu dem kleinen Plüschknäuel ist, und dass sie sich viele Gedanken machen, wohin mit dem irgendwann recht großen Plüschknäuel. Sie schaffen es, Christian auswildern zu dürfen. In Kenia kümmert sich George Adamson ("Frei geboren") um ihn, und aus dem Londoner Antiquitätenladenschaufensterlöwen wird eine richtige afrikanische Raubkatze. Natürlich ist immer noch die Szene, als Christian nach einem Jahr Wildnis seine Pflegeväter wiedertrifft, am bewegendsten, in schönen Bildern festgehalten und einfach herzergreifend.

Schnief, und wenn man immer noch nicht genug davon hat, googelt man ein bißchen und findet weitere Versionen...:

http://www.youtube.com/watch?v=mtHF3N2IsT4

...und kauft sich vielleicht auch noch den Dokumentarfilm...

 

Marian Keyes: Der Märchenprinz

Ich habe nun also auch diese Bildungslücke gestopft und tapfer die moderne Frauenliteratur angenagt. Der Roman wird aus der Sicht verschiedener Frauen, die mehr oder weniger glückliche Beziehungen zu dem im Titel erwähnten Märchenprinzen haben/hatten, erzählt. Am besten gefällt mir hierbei noch Lola. Muß anmerken, dass Stil gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht. Fehlen immer mal Satzteile, klingt dadurch etwas atemlos, konfus, Charakter der Lola entsprechend.  Besonders geheime Treffen von Transvestiten, ungeplant, ungewollt, in Lolas Haus, sehr erheiternd. Märchenprinz selbst eher Antiprinz, recht unprinzenmäßig, fies. Bekommt von Damenwelt gerechte Strafe, mehr oder weniger.

 Fand Buch unterhaltsam und voluminös.

 

1.Platz Schwale-Literatur-Preis 2009 zum Thema "Panta Rhei":

Am Drachenpunkt
 
Ein Drachenpunkt, so erklärtest du mir, sei der Punkt, an dem zwei Flüsse sich vereinen, um dann als ein größerer Strom zusammen weiter zu fließen. So wie unsere Leben nun zusammen fließen und ein Größeres bilden würden. Ich fand das sehr poetisch und schön. Überhaupt fand ich alles, was du sagtest, so schön. Wir konnten stundenlang händchenhaltend durch die Wälder spazieren, ich lauschte deinen Worten so gern. Wir malten uns die Zukunft aus, oder besser, du maltest, ich bewunderte dich, hing an deinen Lippen. Viel sagen musste ich nie, hin und wieder ein Wort als Bestätigung genügte dir.
Oh ja, ich war einverstanden, ich war mit allem einverstanden. Ich hatte nichts dagegen, dir Vollmacht über mein Konto zu geben, wir waren jetzt schließlich eins. Ich freute mich, als du in meine Wohnung einzogst und allem dort deinen Stempel aufdrücktest. Du hattest so viel Stil. Meine Freunde sollten auch deine Freunde sein. Du machtest mir klar, dass die meisten von ihnen doch nicht so tolle Bekanntschaften waren, und ich ließ sie sausen. Ich hatte ja dich.
 
Oft gingen wir gemeinsam zum Drachenpunkt, deinem Lieblingsplatz, obwohl ich mich ein wenig fürchtete, es war dort so einsam und dunkel. Doch mit dir war alles so romantisch.
 
Natürlich konntest du nichts dafür, dass du keinen Job fandest, der deiner Begabung angemessen war. Ich verdiente doch genug Geld für uns beide zusammen. Ich fand die Möbel, die du kauftest, toll, und auch die Kleider, die mir so gut standen. In unsere kuschelige Zweisamkeit, da hattest du recht, sollte niemand eindringen, ich verschob die Verwandtenbesuche, erfand geniale Ausreden, um nur mit dir allein sein zu können.
 
Am Drachenpunkt sahen wir gemeinsam in die wirbelnden Ströme, die dunkel und unheimlich wirkten. Sie schienen alles verschlingen zu wollen, was sich ihnen näherte. Aber ich schüttelte diese Gedanken mit Leichtigkeit ab, ich hatte doch dich an meiner Seite. Nichts konnte mich schrecken.
 
Du wolltest genau wissen, was ich dachte, wovon ich träumte, was ich mir wünschte. Wenn du mich so fragtest, dann hörtest du mir ganz genau zu, für einen Moment. Natürlich dachte ich nur an dich, ich träumte nur von dir und ich sah nur die glänzende Zukunft mit dir. Wir waren ja jetzt ein Größeres, wir flossen zusammen durch das Leben.
 
 
 
Es wird mir schwerfallen, wieder hierher zu kommen. Dieser Ort ist wirklich fürchterlich. Ich werfe ein paar weiße Blumen in die strudelnden Wasser. Das hätte dir gefallen. Du warst immer so für solche Bilder. Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Ein kleiner Schubs genügte. Hm. Nein, ich werde wohl nicht mehr hier her kommen. Ich habe jemanden kennen gelernt. Wir verstehen uns ohne Worte.
Wenn man eine Vorliebe für Wasser hat, ist es nützlich, wenn man schwimmen kann.

 

"Seelen" von Stephenie Meyer

 Bekannt geworden ist die Autorin durch die "Biss zum..." Vampirbücher. Auch diese habe ich gelesen, war aber, nuja, nicht schwer begeistert. Könnte natürlich daran liegen, dass es sich um Jugendromane handelt. Skeptisch und voreingenommen  griff ich dann zu "Seelen". Über 850 Seiten, na, mal reinluschern.

Allein die Grundidee gefiel mir sofort und rang mir Anerkennungspunkte ab: Eine außerirdische Spezies, die in Wirtskörpern lebt und schon einige Planeten übernommen hat, macht sich über die Erde her. Die Körper der Menschen dienen den "Seelen" als Wirte, die eigentlichen Charaktere und Wesen der "Vorbesitzer" werden verdrängt. Meyer erzählt nun die Geschichte einer "Seele", die feststellen muß, dass zu ihrem Wirtskörper eine ziemlich renitente Wirtsseele gehört, die sich nicht so ohne weiteres verdrängen läßt. Natürlich gehört eine Liebesgeschichte dazu, und die Frage nach der moralischen Richtigkeit  des Inbesitznehmens der fremden Körper stellt sich der Seele immer deutlicher, und, ja, ich verlangte nach einem Happy End. Zum Glück war die Autorin der gleichen Ansicht...

Sicher, einige Ähnlichkeiten zu den Vampirgeschichten wie die zwei rivalisierenden männlichen Hauptpersonen und die innerlich reichlich verknotete Seele (wie auch nicht bei diesem Seelenchaos) lassen die Autorin erkennen. Ansonsten, allein für die Idee: volle Punktzahl! Glückwunsch! Und weiter so...

 

 

 

 

Christopher Paolini: Eragon

Mir wurde der Film zum Buch von diversen Leuten als "nicht-anschaubar" bewertet. Huch, und dann fiel mir das Buch in die Hände. Und das wiederum gefällt mir richtig gut. Vielleicht schaue ich mir den Film irgendwann noch an, nur um den Vergleich zu haben. Aber erst lese ich die weiteren Teile!

Okay, weil der Film eh im TV lief, habe ich ihn natürlich mal gesehen. Njaaaa, hmmm, allererste Sahne war das wirklich nicht, das Buch gefiel mir um Längen besser!

 

...man könnte meinen, ich hätte lange nix mehr gelesen, kulturbanausisch, aber ich war tatsächlich nur zu faul, auf dieser Seite was zu schreiben. Pfui! So, dafür jetzt aber gleich drei Bücher auf einmal:

Sanni nötigte mir den ersten Teil der Twilight-Serie auf, den ich, ehrlich gesagt, so mittelnett fand (war aber trotzdem ein schönes Geburtstagsgeschenk, Bücher immer!). Der zweiten Teil gefiel mir schon besser, und der dritte ließ sich am besten lesen. Das ist natürlich mal wieder meine ganz persönliche Meinung, inzwischen haben Fans der Serie ja monstermäßig Foren und Fansites erstellt, holla!

Stephenie Meyer "Bis(s) zum Morgengrauen", "Bis(s) zum Mittagsstunde" und "Bis(s) zum Abendrot", die Originaltitel machen keine Wortspielereifaxen und gefallen mir besser: "Twilight", "New Moon" und "Eclipse".

Worum geht es eigentlich:

Bella, ein 17jähriges Mädchen, zieht zu ihrem Vater in die Kleinstadt und trifft an der Highschool auf ihre große Liebe, fatalerweise handelt es sich dabei allerdings um einen Vampir. Wie die beiden nun zu einander finden, erzählt der erste Teil, Komplikationen, Vorurteile, usw inbegriffen. Im zweiten Teil trennt sich Edward von Bella, und die Folgen sind übel...im dritten Teil wirbeln Werwölfe die Story um Bella und Edward durcheinander. Nein, man kann den Inhalt von drei dicken Büchern (über 600 Seiten pro Band) sehr schlecht in drei Sätzen abhaken, aber so weiß man zumindest so ungefähr, worum es geht.

Mir wird es zwischendurch ein wenig zu hmpf, melodramatisch, aber gut, als olle Buffy-Verrückte darf ich da vielleicht ein bißchen quaken... man darf auch nicht vergessen, dass es in Wirklichkeit eine Jugendbuchreihe ist, hm. Gespannt bin ich auf die Verfilmung, wer im Internet ein wenig herumwühlt, kann schon mal Trailer schauen.

 

Nebenbei habe ich wieder mit "Harry Potter" angefangen, schließich kam der erste Teil vor 10 Jahren raus, waaaas, schon sooo lange her, und da kann man das Buch ruhig noch mal lesen, die Details habe ich inzwischen teilweise eh vergessen.

 

3. Preis Literaturwettbewerb zum Thema "Licht" bei art&vielfalt (Verein zur Förderung des Kunstschaffens in Neumünster) 2007:

 

Am Ende 

Wir fuhren auf der schnurgeraden, silbergrauen Landstraße nach Hause. Das Fenster auf meiner Seite war geöffnet und der Wind zerzauste mein Haar. Es flatterte wie eine Fahne. Es war so ein schöner Nachmittag, und wir lachten, weil wir froh waren, endlich heimkehren zu können. Es hatte Spaß gemacht, einmal ohne die Kinder zu Freunden zu fahren, aber nun vermissten wir beide schon unsere Lieben.

Du runzeltest die Stirn: Vor uns tauchte ein Hindernis auf. Ein Traktor schlich vor sich hin, und ein grüner PKW klebte förmlich an ihm, der Fahrer traute sich wohl nicht, zu überholen. Aber das war alles kein Problem für dich, denn da war kein Gegenverkehr. Während du aufmerksam den Blinker setztest und in den Spiegel blicktest, lächelte ich dir zu. Es war schön, einfach nur dein Gesicht zu betrachten. Du spürtest das, aber du konzentriertest dich auf das Überholmanöver. Ich lauschte vergnügt dem Popsong, der aus dem Radio klang.

Plötzlich schien die Welt stillzustehen. Nein, dachte ich, das kann nicht sein. Das tut der jetzt nicht. Ich wusste nicht, schrie ich oder waren es nur Gedanken, die durch meinen Kopf rasten in dieser unglaublich langen Zeitspanne, als das grüne Auto einfach ausscherte. Ich sah den Wagen auf den unseren aufprallen, ich sah unser eigenes Auto davon wirbeln. Das Autoradio spielte immer noch, aber die Musik kam in Wellen an, mal war sie ganz nah, mal war sie ganz leise, weit weg. Immer noch stießen die Fahrzeuge zusammen, nein, drifteten sie auseinander. Es war wie eine entsetzliche, sich endlos wiederholende Schleife. Ich war in dem Auto und war doch nicht darin. Ich spürte, wie ich durch die Luft gewirbelt wurde. Aber es war eher wie ein Schweben, so unwirklich, so verzerrt, so unglaublich weit entfernt. Als ob ich gar nicht richtig da war. Ich fühlte mich leer. Da war nichts. Ich glitt davon. Es war nicht schlimm. Nichts tat weh. Und da war es, dieses Licht.

 

 

copyright by Maike Bernhardt

 

 Das Bein

 

Da liegt es und zuckt. Es liegt auf einem mit orangeroten Rosen bemalten Teller, der meiner Schwester gehört. Ich habe ihn extra zurecht gestellt, weil sie ihn sonst wieder vergisst. Sie hatte uns auf ihm den allerleckersten Pflaumenkuchen gebracht.

Jetzt ist der Teller leer bis auf ein langes, schwarzes, zuckendes Bein.

Ih.

Der Besitzer oder vielmehr ehemalige Besitzer desselben sortiert hektisch zappelnd seine verbliebenen sieben. Alle dran? Nun denn, er wackelt von Dannen.

Ich gucke noch mal. Ja, es zappelt noch immer.

Ih.

Ich kann doch auch nix dafür, entschuldige ich mich in Gedanken. Es war ein Unfall. Ich hatte nach dem Korkenzieher gegriffen, je nu, und da hatte sich schon der olle Schuster draufgesetzt oder gehängt oder was auch immer. Ich hatte ja auch sofort wieder losgelassen, ich will ja grundsätzlich keinem Viech nix Böses. Aber da war es schon geschehen und der Schuster und sein Bein Nr.8 fielen getrennt auf den Teller. Ja, und wären sie nun nicht gerade auf den Teller gefallen, zum Kuckuck, hätte ich das gar nicht bemerkt, das Gezucke.

Ih.

Später gucke ich noch mal. Nee, zuckt nicht mehr. Ich tippe es an. Nicht mit dem Finger, ih, mit einem Stift. Nee, da rührt sich nix. Ich kann mich nicht so recht überwinden, das Bein in den Mülleimer zu entsorgen. Vielleicht habe ich ja Glück und jemand anderes macht das. Vielleicht holt meine Schwester einfach ihren Teller ab und merkt gar nichts von dem Bein. Wenn man es nicht weiß, fällt es einem schließlich gar nicht auf. Ja, das wird das beste sein: Ich warte einfach ab.

Ih.

 

Maike Bernhardt 2004-10-28

 

 

Ihr Sterne, ich lieb euch – Ihr Sterne, ich hass euch

 

Die Sonne begibt sich zur Ruhe

Der Abend folgt still ihrem Pfad

Am Boden tanzt leichthin der Nebel

Und ich tanz um dich, Kamerad.

 

Den Himmel schmückt Stern bald um Stern

Du blickst auf, in Gedanken ganz fern

Ich verzehr mich, bemüh mich, ich lieb dich

Siehst du mich? – sagst, „ich hab dich gern“.

 

Das genügt nicht, reicht nicht, und ich spüre

Die Sterne, sie sind kalt wie Eis

Aber ehrlich bist du, keine Schwüre

Von Leidenschaft, Liebe so heiß.

 

Doch hätt`s mir vielleicht mehr gefallen

Du hättest gelogen diese Nacht

Unsere Schritte im Nebel verhallen

Wie meine Liebe, von den Sternen verlacht.

 

copyright by Maike Bernhardt

 

 

Harry Potter 7/J.K. Rowling

So, jetzt habe endlich auch ich mir den letzten Band erschnorrt und mich innerhalb kürzester Zeit hindurch gelesen! Und das bedeutet meistens, dass mir ein Buch gut gefallen hat. In diesem Fall sogar supergut, ein  spannendes Finale! Vielleicht liest hier ja aus Versehen ein Potter-Fan, der den letzten Band noch nicht verschlungen hat und mich röstet, wenn ich Details ausplaudere, so sei also nur zusammenfassend erwähnt: höchst empfehlenswert! Immer ran an den Stoff!

 

"Maurice, der Kater" von Terry Pratchett:

Ein Märchen von der Scheibenwelt, in dem ein cleverer Kater mit einer Gruppe Ratten und einem dumm aussehenden Jungen durch die Lande wandert und die Rattenfängernummer abzieht. Durch eine merkwürdige Gegebenheit können Kater und Ratten sprechen (waren auf der Müllhalde der unsichtbaren Universität und hatten es wohl mit Zauberermüll zu tun) und tiefschürfende Gedanken denken. Sie geraten nun in bei ihrem letzten Coup in eine komplizierte Geschichte von Betrug, Mord und Totschlag und lernen ein eigenartiges Mädchen kennen, das offensichtlich zu viele Märchen gelesen hat, ihnen aber letztendlich tapfer beisteht.

...Was soll man schreiben über Terry Pratchett? Er schreibt so toll, dass so ziemlich jedes Buch ein Genuß ist (es sei denn, man gerät an das Philosophenbuch, sorry, das war mir zu anstrengend). Auch dieser Roman unterhielt mich mühelos. Allerdings vermißte ich die Hexen, die spielten in dem Stück nicht mit. Ach, Oma Wetterwachs und Nanny Ogg sind einfach herrlich! Vor lauter Sehnsucht löste ich meinen Amazongutschein (DAS war vielleicht schwierig!) ein und bestellte mir Nachschub mit Hexenauftritt.

 

"Das Haus der Schwestern" - Charlotte Link:

Schön, was zum Schmökern, wenn man z.B. Ferien hat und friedlich faulenzen will. Der Titel ist meiner bescheidenen Meinung nach etwas irreführend und falsch gewählt, es geht eigentlich um das Leben einer der Schwestern, Frances, und in der Rahmenhandlung um Barbara, die zufällig Frances biographische Aufzeichnungen findet und liest.

Kriegt nicht gerade 10 Sterne, aber war unterhaltsam!

 

 

Ich hatte einen Nostalgie-Anfall (allein schon von dem Wort Nostalgie wird mir immer leicht übel) und zerrte meine düstersten Jugendromane aus dem Regal. Selbstverständlich will ich die euch nicht vorenthalten:

"Bei Hamburg leichter Niederschlag" von Heinz Knappe handelt von einem atomaren Unfall in einem Kernkraftwerk in der Nähe Hamburgs, der durch lauter dumme Zufälle passiert. Die Kapitel sind als Countdown bis zum GAU betitelt. Die aufsässigen Atomkraftgegner der 80er sind dabei, die "Nichtwisser", die Politiker, na, so sah es in etwa tatsächlich aus, recht realistisches Bild, ein nüchternes Buch, das nebenbei auch mit ein paar technischen Vokabeln um sich wirft, die ich nicht verstehe...der Roman ist gut und zu jeder Zeit denkbar!

"Oldenburger Jugendbuchpreis"

 

"Die Wolke" von Gudrun Pausewang handelt ebenfalls von einem atomaren Unfall, zur Abwechslung in Süddeutschland angesiedelt und erlebt von einem 14 jährigen Mädchen, das an einem ganz normalen Tag in der Schule durch ABC-Alarm aus dem Altag gerissen wird. Es folgt ein GAU-Szenario, das es in sich hat, mit Chaos, Sperrzonen, Überlebenden, die sich und der Welt Fragen stellen, die wir heute schnell beiseite schieben...

"Deutscher Jugendliteraturpreis 1988"

 

"Die letzten Kinder von Schewenborn" von Gudrun Pausewang mußten viele Schüler im Deutschunterricht lesen. Sowas schürt bisweilen Abneigungen (bah, ich muss lesen!), aber das Buch an sich ist gut. Sag ich mal so. Hier gibt es einen kurzen, häßlichen Atomwaffeneinsatz, welcher der Höhepunkt einer Ost-West-Krise ist, die in den 80ern durchaus aktuell war. Roland, ein 12 jähriger Junge, schildert die Geschehnisse, die während der Fahrt in den Urlaub zu den Großeltern beginnen, aus der Ich-Perspektive. Das zerstörte Deutschland und die Folgen eines Atomkrieges für ganz normale Bürger wird gezeichnet und ehrlich, Gudrun Pausewang macht das richtig realistisch anmutend.

"Zürcher Kinderbuchpreis" "Preis der Leseratten" "Buxtehuder Bulle" "Gustav-Heinemann-Friedenspreis"

 

 

 

Monica Hughes: Die Isis-Trilogie

Vor unzähligen Jahren las ich ein Jugendbuch, das mich total faszinierte. Ich tippe mal, dass ich ca 12Jahre alt war, als ich "Das Rätsel von Isis" verschlang. Viel, viel später fand ich ein Exemplar auf dem Flohmarkt und nahm es mit. Und noch viel später googelte ich mal im Netz und stellte fest, dass ich den mittleren Band einer Trilogie erwischt hatte. Ich fischte die anderen beiden, nämlich "Die Herrscherin von Isis" (Teil 1) und "Der Zauberer von Isis" (Teil 3) aus dem Netz. Die Romane sind von Monica Hughes, und ich kann sie fantasybegeisterten Teenies wärmstens empfehlen!

Auf besonderen Wunsch werfe ich mal wieder ein paar Sachen von mir auf die Seite:

  

Lottes Kalender

 

Es war ihr ja so peinlich, hoffentlich hatten die Nachbarn nichts bemerkt. Nervös spähte Lotte durch den Türspion, aber auf dem Hausflur des gediegenen alten Miethauses blieb alles ruhig. Sie hatte ja auch schnell reagiert und die Bescherung weggewischt. der nasse Feudel hing jetzt über dem Badewannenrand zum Trocknen, der Eimer war ordentlich ausgespült und stand in der Ecke neben dem WC. Wie ärgerlich, sie würde eine neue Fußmatte kaufen müssen, schon die dritte in diesem Monat, aber die Flecken gingen einfach nicht heraus. Lotte seufzte. Schließlich war sie Rentnerin und mußte mit ihrem Geld haushalten. Ein Kalender, schoß es ihr durch den Kopf, ich muß mir endlich einen Kalender kaufen. Dann ist alles viel leichter. ich hänge ihn neben die Tür und kreuze die gewissen Tage an, dann kann nichts mehr schief gehen. Lottes Blick wanderte zu der Bescherung, wohin damit? In der Truhe war ja nun wirklich kein Platz mehr. Na ja, eins nach dem anderen. Lotte schlurfte in die Küche, wo sie in einer alten Ledertasche die Erbstücke ihres Mannes sorgfältig aufbewahrte. Fleischer war er gewesen, ihr Egon. Fünf hochwertige Messer hat er ihr hinterlassen. Man wußte ja nie wozu so was gut war, hatte er gemeint. Vier Messer lagen säuberlich in der Tasche, das fünfte hatte Lotte gerade abgewischt. Sie müßte es mal wieder schärfen, wie lästig, aber bei dem häufigen Gebrauch!

Gestern hatte sie im EDEKA zugehört, als die alte Petersen mit Frau Möller an der Kasse getratscht hatte. Über die unzuverlässigen Zivildienstleistenden hatte sie gemeckert. Hatte doch schon wieder einer sang- und klanglos den Dienst quittiert, die liefen einfach weg. Dabei war es doch so schwer auch wieder nicht, den alten Leuten ihr Essen auf Rädern zu liefern.

Die olle Petersen hatte Lotte beifallsheischend angesehen, sie bekam doch auch Essen ins Haus? Ja, hatte Lotte erwidert. aber sie hatte keinen Grund zur Klage, ihre Zivis kamen immer pünktlich und zuverlässig jeden Montag, hatte sie sogar auf ihrem Kalender angekreuzt.

Copyright by Maike Bernhardt 27.10.2002

 

Drumherum und mittendrin

 

Früher war ich ein ganz normaler Mensch. Als dann aber bei mir die Meerschweineritis endgültig ausgebrochen war, begann ich, Meerschweinchenausstellungen und Infotage zu besuchen. Meistens las ich davon in der Zeitung und berichtete meinem Schatz freudestrahlend am Frühstückstisch, dass wir den Sonntagnachmittag verplant hätten. Schatz verdrehte zunächst gern mal die Augen, aber mit der Zeit  trug er es mit Fassung, als Anhängsel mit durch die Ausstellungsräume gezerrt zu werden. Er wurde als Chauffeur eingespannt, während ich die Landkarte oder den Ausdruck unseres Routenplaners studierte und meistens den richtigen Weg fand. Wir bezahlten brav Eintritt und ich sauste los, ab in die Langhaarabteilung. Wenn ich kein Meerschweinchen fand, das dringend bei uns einziehen musste, kaufte ich wenigstens am Infostand noch irgendetwas Meerschweinspezifisches, am liebsten Kaffeebecher mit „I love my guinea-pig“ -Aufschriften. Davon gibt es in unserem Haushalt inzwischen etliche. Meinem Schatz war das wurstegal, er trinkt keinen Kaffee, und das eine oder andere Meerschwein mehr oder weniger fiel bei uns auch nicht auf. Manchmal futterten wir noch ein Stück Kuchen, und dann ab in die Heimat. Ja, so einfach war das damals.

 

Seit einiger Zeit bin ich selbst im Verein und erlebe das Geschehen von drinnen. Ups. Das ist aber ganz was anderes…Und das beginnt bereits Wochen vor der Ausstellung mit der Auswahl der geeigneten Ausstellungstiere: Wen möchte ich mitnehmen? Genauer gesagt, welches Meerschweinchen hat tatsächlich nicht angeknabbertes Fell? Irgendwo im Stall sitzt grundsätzlich ein Fellfresser, der termingerecht zur Ausstellung in seinen Kalender guckt und sich sagt, ach ja richtig, ich muß ja noch ein paar Kumpels annagen.  Naja. Habe ich glücklicherweise einige Schweinchen mit langem Fell dabei, beäuge ich diese in den nächsten Wochen misstrauisch-liebevoll, denn erfahrungsgemäß bekommt noch mindestens eines die Milben. Oder zwei Zicken zanken sich und sehen so zerfleddert aus, dass ich sie von der Liste streichen kann. Oder oder oder. So, nun Meldeformulare ausfüllen. Wann wurde die Sau geboren? Blätter in den Papieren, kämpf, wühl, such. Rechtzeitig die Anmeldung abschicken, Meldegeld überweisen, Transportkisten suchen und begutachten, Schweinchen jetzt erst recht kontrollieren. Da ich Langhaartiere züchte, bin ich inzwischen auf alles gefasst, siehe oben. Kurz vor der Ausstellung muß natürlich aufgebaut werden,  also Routenplaner und Wegbeschreibung gezückt und mit Glück (aber als alte Pfadfinder packen wir`s ja immer!) den Ausstellungsort gefunden. Ach ja, abends noch fix einen Kuchen backen für den Kaffeestand, wobei Backen echt nicht zu meinen Stärken gehört, aber was tut man nicht alles für sein Hobby. Am Ausstellungsmorgen falle ich dann, vom Kuchenbacken noch völlig verausgabt, aus meinem Bett und fische meine Ausstellungstiere, die, wie ihr Mensch, Langschläfer sind, aus dem Stall. Gemeinsam, mit recht verschlafenen Gesichtern, fahren wir los, streiten während der Fahrt ein bisschen, welches Radioprogramm wir hören (meine Meerschweine sind da sehr wählerisch) und finden uns dann, und mit uns der Rest der Aussteller, am Ausstellungsort ein. Nach der unglaublichen morgendlichen Hektik- huh, habe ich die Wasserflaschen auch eingepackt?- wo sind meine Käfige doch gleich?- was für ein Geschleppe!- brauche ich dann erst mal ein bis drei Tassen Kaffee. Danach sieht die Welt schon besser aus. Sobald die Ausstellung für Besucher geöffnet ist, wird es erst richtig interessant, denn natürlich stehen die Züchter Frage und Antwort, und irgendwer muß Kaffee und Kuchen verkaufen, abwaschen sollte auch jemand, und fegen, und die Tombola betreuen, und und und. Am Abend werden noch die lieben Schweinchen versorgt, dann tuckere ich nach Hause, wohl wissend, dass die Nacht kurz sein wird, denn am Sonntag geht es ja weiter. Am nächsten Morgen also hopphopp und los, erwähnte ich schon, dass ich ein Morgenmuffel bin, na, und als erstes die Schweinchen begrüßen und versorgen. Dann mal auf dem Arbeitsplan nachgucken, wo ich eingesetzt werde (oh nein, nicht in der Küche, ich kann gar nicht Hotdogs basteln, bitte, lasst mich fegen), wieder Besucherfragen beantworten, was noch am meisten Spaß macht, und ich freue mich, wenn ich bekannte Gesichter sehe. Abends werden die Schweinchen verstaut und  der Abbau beginnt. Unglaublich! So viele Späne, wo kommen die denn her? Es bietet sich jetzt die Gelegenheit, endlich mal ausführlich und hingebungsvoll zu fegen. Zuletzt gucken wir uns alle an, sagen puuuuuh oder Ähnliches und stieben in alle Himmelsrichtungen davon. Zu Hause bringe ich meine lieben Schweinchen in den Stall, setze mich noch einen Moment zu ihnen und schaue, dass es allen gut geht. Dann falle ich in die Badewanne, denn irgendwie ist ein Großteil der Sägespäne in meinen Haaren gelandet, und dann falle ich gleich weiter ins Bett. Schatz, der mich das ganze Wochenende nur sporadisch erblickt hat, kann sich hin und wieder die eine oder andere spöttische Bemerkung nicht verkneifen. Sicher, früher war das irgendwie einfacher. Aber mehr Spaß macht es jetzt!

copyright by Maike Bernhardt

 

    

 

 Juliet Marillier: Sevenwaters-Trilogie

-Die Tochter des Waldes

-Der Sohn der Schatten

-Das Kind der Stürme

 

...wundervolle Fantasy, angesiedelt in Irland im Jahr 900 nach Christus. Die Hauptfiguren und Ich-Erzählerinnen sind jeweils Frauen. Begonnen wird die Sage mit der Geschichte des Mädchens, Sorcha, das seine sechs Brüder, die von einer Zauberin in Schwäne verwandelt worden sind, durch Beharrlichkeit beim Lösen einer schweren Aufgabe errettet und sie somit zurückverwandelt. (Na, die Legende kennt ihr? Lesen müßt ihr sie...).

Im zweiten Buch begegnet Sorchas Tochter Liadan einem finsteren Söldner, und dieses Begegnung ändert beider Leben von Grund auf, und ihre Sicht darüber, was gut oder böse ist, erhält neue Aspekte. (Und eine Liebesgeschichte ist es auch!)

Band drei nun wird von Fainne, Sorchas Nichte, erzählt. Sie ist eine außergewöhnliche Zauberin, allerdings fest umklammert von der Bosheit ihrer Großmutter, welche wiederum niemand geringeres als die böse Zauberin aus Band eins ist. Man möchte Fianne einfach unter den Arm klemmen und aus ihrer Misere retten, aber das macht sie am Ende zum Glück dann selbst...

Xanth- Piers Anthony

Nach Xanth hat mich vor einiger Zeit Anja entführt. Da saß ich ganz harmlos in ihrem Wohnzimmer und versuchte, mein wildes Kind zu bändigen, während wir so etwas wie eine Unterhaltung führen wollten, und wir stellten fest, dass wir beide Fantasy gern mögen, und nicht nur meerschweinsüchtig sind...daraufhin warf sie mir ungefähr 8-9 Bücher an den Kopf, alles Xanth-Bände. Ich ächzte "Uuuuhoooohsoooovielschwerschnauf" oder so und sackte die erst mal ein. Und kam aus dem Lesen nicht mehr heraus. Mittlerweile schnorre ich überall weitere Bände, komisch, überwiegend bei Meerschweinverrückten. Dabei gibt es in Xanth gar keine Meerschweine. Na, egal, hier also die Liste:

1. Chamäleon-Zauber (A Spell for Chameleon) 1977

2. Zauber-Suche (The Source of Magic) 1979

3. Zauber-Schloß (Castle Roogna) 1979

4. Zentauren-Fahrt (Centaur Aisle) 1982

5. Elfen-Jagd (Ogre, Ogre) 1982

6. Nacht-Mähre (Night Mare) 1983

7. Drachen-Mädchen (Dragon on a Pedestal) 1983

8. Ritter-Geist (Crewel Lye: A Caustic Yarn) 1985

9. Turm-Fräulein (Golem in the Gears) 1986

10. Helden-Maus (Vale in the Vole) 1987

11. Himmels-Taler (Heaven Cent) 1988

12. Welten-Reise (Man from Mundania) 1989

13.Mond-Elfe (Isle of View) 1990

14. Höllen-Mädchen (Question Quest) 1991

15. Meeres-Braut (The Color of her Panties) 1992

16. Dämonen-Spiele (Demons Don`t Dream) 1993

17. Harpyien-Träume (Harpy Thyme) 1994

18. Wasser-Speier (Geis of the Gargoyle) 1995

19. Vogel-Scheuche ( Roc and a Hard Place) 1995

20. Wechsel-Wind (Yon Ill Wind) 1996

21. Wald-Schrat (Faun and Games) 1997

22. Zombie-Lover (Zombie-Lover) 1998

...und so weiter, dreißig Bände oder so sind vorhanden, ich glaube, Piers Anthony schreibt im Akkord, will vermutlich Xanth gar nicht mehr verlassen...

Ach ja, worum geht es eigentlich? Xanth ist ein durch und durch magisches Land, in dem jeder Einwohner ein magisches Talent hat. Es gibt Drachen, Pastetenbäume, Zauberer, Könige, na, und dergleichen mehr. Außerhalb ist Mundania, die gewöhnliche Welt, in der so gewöhnliches unmagisches Kroppzeug wie wir Normalerdlinge leben, die natürlich von Xanth nicht die geringste Ahnung haben. Hin und wieder gibt es zwischen den beiden Welten Kontakt, aber es geht meistens gut für die dusseligen Mundanier aus.

Meine Lieblingsbände in Kürze:

Elfen-Jagd: Ein furchterregender, scheußlicher Oger muß eine Bande entzückender junger Mädchen auf ihrer Reise quer durch Xanth begleiten, was ihm zunächst gar nicht behagt, immerhin ist er doch echt scheußlich.

Nacht-Mähre: Wundervoll, ich liebe sprechende äh denkende Pferde.

Drachen-Mädchen: Prinzessin Ivy hat da Talent der Verstärkung. Sie findet den Spaltendrachen wundervoll, also ist das auch, und basta!

Welten-Reise; Oha, die Prinzessin landet ausgerechnet in Mundania und verguckt sich in einen unscheinbaren Mundanier! Oder ist Grey Murphy vielleicht doch nicht so fade ( Murphy? War da nicht mal ein Magier mit dem Motto, wenn was schief laufen kann, dann macht es das auch??)

Wechsel-Wind: Herrlich, eine mundanische Familie samt Reisemobil und Haustieren in Xanth!  Das klingt nicht nur nach Trubel, es ist Trubel! Und mittenmang der böse Wirbelsturm, den es aus dummen Gründen nach Xanth verschlagen hat, um eine Katastrophe auszulösen! Und nebenbei läuft da so ein Eselsdrachen herum, der nicht recht das ist, was er zu sein scheint, ebenso übrigens seine aparte  menschliche Begleiterin. Was hat Piers Anthony bloß immer mit den Höschen??

 

C.C. Humphreys, Die Hand der Anne Boleyn:

Ich liebe historische Romane. Dieser hier spielt zur Lebzeit bzw. in der Zeit kurz nach dem Tod von Anne, der Königin von England. Sie wurde, man erinnert sich, von ihrem Mann Heinrich zum Tode verurteilt, da sie ihm keinen männlichen Erben geschenkt hatte. (Heute sind wir ja alle etwas schlauer, was die Vererbungslehre angeht...). Eigentliche Hauptfigur ist der Henker der Königin, dem sie noch auf dem Schafott das Versprechen abnimmt, ihre sechssfingrige Hand an einem bestimmten Ort zu begraben. Jean Rombaud erlebt nun in Erfüllung seiner Mission eine Reihe von Abenteuern, die wie ein bunter Strudel den Leser mitreißen - ganz schön fabuliert, zwingt zum Weiterlesen! Und nebenbei erfährt man auch noch die eine oder andere historische Nebensächlichkeit, doller Roman! Paßt ideal in diese trübe Jahreszeit, man achtet gar nicht mehr auf das Grau da draußen!

 

 

 

Kathy Reichs:

"Tote lügen nicht"

"Knochenarbeit"

"Durch Mark und Bein"

"Lasst Knochen sprechen"

Sehr spannend, hin und wieder etwas unappetitlich, tolle Lektüre!

 

Immer in der Sommerpause, wenn mir nix Besseres einfällt, greife ich nach meinen uralten "5-Freunde" -Büchern. Ich habe sie, bis auf die zwei Geisterbände, alle, und kann da immer wieder reingucken. Ich habe mal eine Liste erstellt, die klatsche ich auch hier auf die Seite.

Enid Blyton- 21 Bände "Five..."

1. Five on a treasure Island / Fünf Freunde erforschen die Schatzinsel - 1942 erschienen

2. Five go adventuring again/ FF auf neuen Abenteuern

3. Five run away together/ FF auf geheimnisvollen Spuren

4. Five go to Smuggler`s Top/ FF auf Schmugglerjagd

5. Five go off in a caravan/ FF beim Wanderzirkus

6. Five on Kirrin Island again/ FF auf der Felseninsel

7.Five go off to camp/ FF im Zeltlager

8. Five get into trouble/ FF geraten in Schwierigkeiten

9. Five fall into adventure/ FF  helfen ihrem Kameraden

10. Five on a hike again/ FF auf großer Fahrt

11. Five have a wonderful time/ FF und ein Zigeunermädchen - in D Nr. 19

12. Five go down to the sea/ FF verfolgen die Strandräuber- in D Nr.14

13. Five go to Mystery Moor/ FF im Nebel -in D Nr.17

14. Five have plenty of fun/ FF jagen die Entführer - in D Nr.13

15. Five on a secret trail/ FF wittern ein Geheimnis

16. Five go to Billycock Hill/ FF als Retter in der Not - in D Nr. 11

17. Five get into a fix/ FF im Alten Turm - in D Nr. 12

18. Five on Finniston Farm/ und das Burgverlies

19. Five go to Demon`s Rocks/ FF auf dem Leuchtturm - in D Nr. 16

20. Five have a mystery to solve/ FF machen eine Entdeckung - in D Nr 21

21. Five are together again/ FF und der Zauberer Wu - in D Nr. 20  erschienen 1963

 

 

 

 

Die Siedler von Catan - Rebecca Gable`

Ich muß mich erst mal outen als Catan-Unwissende. Ich habe das Spiel leider noch nie gespielt, hoffe aber, diese Bildungslücke irgendwann zu schließen.

Der Roman nun gefiel mir sehr gut, er ist als Fantasy-Wikinger-Story aufgebaut. Die Charaktere sind sehr lebendig, das Geschehen spannend, die Bösen oberböse, die Guten haben ihre Fehler.

Es wird die Geschichte der unzufriedenen Bürger eines kalten, unwirtlichen Landes erzählt, ihre abenteuerliche Schiffsreise ins Wunderland Catan und ihre Neubesiedlung der Insel. Zwei Hauptfiguren stechen hervor, die Ziehbrüder Candamir und Osmund. Der Roman ist 793 Seiten lang, aber die sind ganz schnell verschlungen, denn man möchte immer wissen, wie es denn nun weitergeht.

Ich kann dieses Buch als gute Fantasylektüre weiterempfehlen!

 

Das Rätsel von Montsegur - Sophy  Burnham

Dieser Roman lebt von seiner Hauptfigur, Jeanne von Beziers, und ihrer Einflechtung in die Religion der Katharer in der Zeit um 1209 in Frankreich. Interessant ist, dass zwei Zeitebenen miteinander abwechseln und man so langsam, aber sicher, die Auflösung des Rätsels erfährt. In der Gegenwart berichtet eine verwirrte, unglückliche und alte Jeanne als Ich-Erzählerin, von der Vergangenheit wird im neutralen allwissenden Erzählstil 3. Person berichtet und Jeanne als junges, unbesonnenes und unbeschwertes Mädchen gezeigt.

Eigentlich war mir das Buch sofort viel zu traurig, aber so recht weglegen mochte ich es nicht, zumal ich feststellte, dass der Klappentext von jemandem geschrieben worden war, der das Buch offensichtlich nicht gelesen hatte und eine banale Liebesgeschichte daraus gebastelt hatte. Die tragische Geschichte der Katharer und die nicht weniger tragische Geschichte von Jeanne sind packend erzählt.

Kann ich nur empfehlen!

Ach ja, und wenn der neugierige Leser nun mehr zum Thema Katharer und ihr Schatz wissen möchte, ohne das Buch lesen zu müssen, so google man sich durch!

 

Silber im Saum - Katja von Glan

Wer sich für historische Romane begeistern kann und nebenbei etwas über das Mittelalter in Deutschland erfahren möchte, der ist mit diesem Roman bestens bedient. Genauer gesagt, spielt die Handlung im Jahre 1198, als es in Deutschland Streit zwischen den Familien der Welfen und den Staufern gibt, die beide den Thron beanspruchen. Nee, das ist kein trockener belehrender Schulbuchkram, hier gibt es zwei Handlungsstränge mit jeweils einer interessanten Frauengestalt, die eine, Johanna, ist Hofdame auf der Seite Staufens, Mechthild wiederum ist eine Kaufmannstochter, die auf der Seite der Welfen eine abenteuerliche Zeit erlebt. Man erfährt so nebenbei einiges über das Hofleben, die Gepflogenheiten in Kaufmannskreisen, tumbe Ritter, besonnene Schreiberlinge, und Walther von der Vogelweide darf ebenfalls mitmischen. Klar gehören Liebesgeschichten dazu.

Der Roman läßt sich gut lesen, die Figuren sind lebendig gezeichnet und man kann echt in Vergangenheit eintauchen und darin Stunden verbringen.

Schönes Buch! Kann ich nur empfehlen!

...und da wir gerade bei Walther waren...:

 

Deutsches Mittelalter - ausgewählt von Friedrich von der Leyen

In diesem Buch findet der begeisterte Liebhaber der mittelhochdeutschen Dichtung eine schöne Auswahl an Texten, von der Heldendichtung über höfische Dichtung zum Minnesang. Klar, dass die Nibelungen dabei sind, und Walther von der Vogelweide, der Kürenberger, Hartmann von Aue...leckere Häppchen!

 

 

Grüne Tomaten - Fannie Flagg

Fried green tomatoes at the Whistle Stop Cafe

Fiel mir letztens auf einem Grabbeltisch auf dem Flohmarkt in die Finger.

Den Film zu diesem Roman habe ich sicherlich schon 30 mal gesehen. Einmal hatten meine Schulfreundinnen und ich gar die verwegene Idee, einen "Grüne Tomaten-Abend" zu zelebrieren. Zu diesem Zwecke klapperte ich mir bei diversen Gemüsehändlern die Hacken ab, aber es gab einfach keine grünen Tomaten zu kaufen. Also kochten wir irgendetwas anderes, machten es uns mampfend auf dem Sofa bequem und guckten zum 31. mal den Film.

Das Geschehen: Eine Freundschaft im Süden der USA in den 20er und 30er Jahren des 20.Jh. und eine in den 80ern. Dekoriert mit Familie, Kochrezepten, dem Sinn des Lebens, der Beschreibung des amerikanischen Südens, einem Mord und Treue.

So, das war die Kurzform. Klingt sehr nach Frauenroman, aber gegen solche bin ich eigentlich hochgradig allergisch. Da steckt mehr drin.

Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen, auch wenn der Film mir aufgrund der wundervollen Darstellerinnen  noch ein bißchen besser gefällt. Guckt da doch mal rein....

 

Feuer-Wolfgang Hohlbein

Ich habe von Wolfgang Hohlbein schon so einige Bücher gelesen, genossen, verschlungen. Angefangen natürlich bei den drei Märchenmond-Romanen über „Der Thron der Libelle“ und „Die Heldenmutter“ zu „Das Druidentor“ und „Wyrm“. Auch die etwas düsteren Sachen wie „Azrael“ und „Die Moorhexe“ waren noch lesbar.

Somit dachte ich letzte Woche, ach, nimm mal das dicke Buch mit (über 800 Seiten), das wird sicher interessant.

Seufz.

Meine Güte, so lang können 800 Seiten sein?

Die Story? Na gut, ganz knapp:

Will Lokkens, seines Zeichens Autoknacker, stolpert in eine mysteriöse Brandserie in Köln und über ein biestiges kleines Mädchen, das ihn in eine Geschichte hineinzieht, in der es um die uralten Germanensagen und Feuer geht. Ein böser Widersacher aus der Vergangenheit und Gegenwart, eine ehemalige Geliebte, ständige Flucht, Verwirrung und ziemlich viel Haue zieren die Geschichte.

Am Ende stellt sich heraus, wer die Guten und wer die Bösen sind. Ach.

Ich war froh, das Buch weglegen zu können. Wie schade!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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