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Fury in the Slaughterhouse

03
Ju
Fury in the Slaughterhouse
03.06.2017 22:02

Ach ja, hat ein bisschen gedauert, aber jetzt kommt die „Fury in the Slaughterhouse“-Geschichte, die auf dem Ponyhof beginnt. Ich hielt es damals, es war wohl 1989, für eine tolle Idee, Kinder auf einem Ponyhof zu betreuen. Also, eigentlich wollte ich ja auch gern ein bisschen reiten. Der Hofbesitzer lockte mit dieser Möglichkeit: Jaja, klar, alles machbar (in den zwei Wochen kam ich ungefähr drei Mal auf ein Pony, aber das ist eine andere Geschichte). Die andere Schnegge, mit der ich gemeinsam zwölf Mädchen und sechzehn Ponys betreute, sorry, ich habe ihren Namen derweil vergessen, stand am liebsten schmökend in einem Winkel und lauschte ihrem Walkman. Ich wagte anzufragen, was denn so lief, und sie warf mir „Fury in the Slaughterhouse“ an den Kopf. Sozusagen (wir waren nicht bff). Nachdem ich mich vom Bandnamen erholt hatte, immerhin befanden wir uns auf einem Ponyhof, gestand ich meine Unkenntnis der Gruppe ein. Verächtliches Schnauben ihrerseits. Tja. Ich fragte dann nicht weiter. Wieder daheim, neugierig geworden, hörte ich da mal rein und was ich hörte, gefiel mir. Natürlich nicht so gut wie meine heißgeliebten 80er-Boygroups, New Romantics und der unvergessliche George Michael, aber war sehr okay. Und als „Fury“ im Jahr 1997 in Kiel, damals hieß das Ding da noch Ostseehalle, spielte, zerrte ich Herrn B. vom Sofa. Leider waren wir, wie immer, von chronischem Geldmangel umzingelt und meine Dollars reichten nicht, um mir ein Band- T-Shirt zu kaufen. Diese wurden da munter angeboten. Tjaja. Nix zu machen. Wir fanden uns nach dem Konzert im üblichen Stau und quetschten uns durch Kiel. Auf der Spur neben uns war ein Auto, vollgestopft mit jungen Menschen, die ein T-Shirt verlockend heraushielten und „Kaufeeeen?“, schrien. Ich brüllte zurück, dass ich nur noch 15 DM und ein Six-Pack Bier hatte (war ja auch echt wahr), und zu meinem Glück waren die Menschlein durstig. Irgendwie schafften wir es gerade noch, den Deal abzuwickeln, bevor es auf die Autobahn ging. Ja, und seither döste das T-Shirt im Kleiderschrank und wurde hin und wieder zum Zäunestreichen, Ställeausmisten und zu ähnlich wichtigen Terminen herausgezerrt. Als dann vor einigen Jahren das Abschiedskonzert im Hamburger Stadtpark anstand, kaufte ich mit Elan Karten. Und lag dann so richtig deprimiert mit einer fetten Sommergrippe im Bett herum, während Herr B. mit einem Kumpel das Konzert im strömenden Regen mehr oder weniger genoss. Noch heute erzählt er fasziniert die Geschichte, wie die Taschen seiner Regenjacke komplett voll Wasser liefen und sein Handy starb. So nass sei er im ganzen Leben noch nicht geworden. Ich war also etwas skeptisch, als der Weihnachtsmann Karten für ein Konzert „30 Jahre Fury in the Slaughterhouse“ in Bad Segeberg anschleppte. Aber, wie soll ich sagen: Bestes Wetter, beste Stimmung, und natürlich beste Songs. Ich zog selbstverständlich mein altes T-Shirt von 1997 an, und ein neues T-Shirt erwarben wir auch. Dieses bekam das Teeniegemüse geschenkt. In der Hoffnung, dass in dreißig Jahren ein weiteres Konzert stattfindet. Da rollen wir dann auch alle wieder hin, wahlweise per Rollator oder Rollstuhl. Seh mich schon den steilen Abhang am Kalkberg runterjodeln.

Katzennamen
Alter Kram

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