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Zu Antoine de Saint-Exupéry
03.10.2015 11:11

 

An einem gewöhnlichen Tag im Jahr 1998 reinigt der Fischer Jean-Claude Bianco, der in der Nähe von Marseille an der Küste Frankreichs lebt, seine Netze. Da fällt ihm ein in der Sonne blinkender Gegenstand auf, der sich im Maschengeflecht verfangen hat. Neugierig und vorsichtig löst er ihn heraus. Es ist ein silbernes Armband. Der Fischer liest die Gravur: Antoine de Saint-Exupéry.

Es wirkt märchenhaft und auch ein wenig unwahrscheinlich, dass dieses Armband des verschollenen Autors eines Tages einfach so in einem Fischernetz auftaucht. So viele Jahre sind vergangen, seit er im Juli 1944 zu seinem letzten Flug aufbrach, von dem er nie wiederkehrte. So viele Fragen und Spekulationen gab es darüber, wie der berühmte Flieger und Schriftsteller starb. Sein Flugzeug wurde damals nicht gefunden und es gab auch keine Aufzeichnungen darüber, ob er vom Feind abgeschossen wurde.

Saint-Exupéry verschwand so märchenhaft und seltsam wie die Figur seines wohl berühmtesten Werkes: der kleine Prinz…

Antoine de Saint-Exupéry war schon als Junge fasziniert vom Fliegen. Er konnte seinen Traum, Pilot zu werden, wahr werden lassen und lebte diese Leidenschaft. Sie war wohl noch größer als sein Wunsch zu schreiben, er bezeichnete sich selbst als Berufspiloten. Seine ersten Werke handeln vom Fliegen und dem Pilotenleben. Das vom Umfang her eher kleine „Le Petit Prince“ wird aus der Sicht eines Piloten, der in der Wüste notlandet, erzählt. Was macht dieses Buch so besonders?

Es beginnt schon mit der Widmung: Der Autor widmet das Buch seinem Freund Léon Werth als er noch ein Junge war. Die Erklärungen hierzu sind schlicht, aber zu Herzen gehend und erzählen auch schon ein wenig, wovon die folgende Geschichte handeln wird. Erwachsene und Kinder, Freundschaft, Liebe.

Die Illustrationen sind von Saint-Exupéry selbst. Manchmal hat ein Autor ja ein Bild von seinen Protagonisten im Kopf, das ein Zeichner dann zu verwirklichen versucht. Hier hat der Schriftsteller seine Figuren im wahrsten Sinn des Wortes selbst gezeichnet. Auch das macht einen Teil des Charmes aus, den dieses Buch verströmt.

Über die angeblichen oder tatsächlichen Parallelen der Figuren und Ereignisse zu Personen, Politik und Staaten lasse ich mich hier nicht aus. Das war es nicht, was mich so an dem Buch faszinierte und immer noch innehalten lässt. Es gibt einige oft zitierte Passagen, mit denen Saint-Exupéry mitten ins Herz trifft. Ja, genau, möchte ich sagen, ich weiß genau, was es heißt, jemanden zu verlassen und für immer die Sehnsucht zu spüren. Ich kenne diese Traurigkeit, die der Abschied mit sich bringt, und am besten gefällt mir die Begegnung des Prinzen mit dem Fuchs: Es wird alles gesagt, was wichtig ist, in einfachen Worten, ohne großes Philosophentum.

Ich habe das Buch sowohl im Original als auch in der deutschen Übersetzung gelesen. Die weiche, poetische Sprache gefällt mir in beiden  Versionen. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, in welcher Zeit Saint-Exupéry den kleinen Prinzen schrieb: 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, kommt ein Autor mit so einer märchenhaften Idee daher und drückt seine Gedanken in einem Stil aus, der in seltsamem Kontrast zur harten Realität dieser Zeit steht. Oder ist es das, was das Besondere ausmacht? Menschlichkeit und Hoffnung in einer Zeit in die Welt zu senden, in der sie diese am meisten braucht? Und heute? Brauchen wir den kleinen Prinzen immer noch, gerade heute.

 

1975 wurde der Asteroid 2578 nach Antoine de Saint-Exupéry benannt.

 

Die Girlandenwickelei
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